Ein neuer Generationenvertrag

Ein neuer Generationenvertrag anstatt der Devise „Sorgt doch für Euch selbst“ 

Teil II: Ursachen und Hintergründe

1.  Ausgangspunkt:    –  Artikel 11 des ENGS- Manifesto:

„Ein neuer Generationenvertrag

soll den Zusammenhalt von Jung und Alt durch Zusammenarbeit fördern. In Zukunft müssen die Alten mehr von dem aktiven Teil des gesellschaftlichen  Lebens tragen.

Die jüngeren Generationen haben vor allem Sorge um Arbeit und Auskommen, während viele Ältere sich vor Armut im Alter fürchten. Wir brauchen daher einen neuen  Generationenvertrag. Wir selbst wollen das uns mögliche zur Lösung dieser Aufgaben leisten und dadurch den Zusammenhalt der Generationen stärken und erhalten.“

 

Ein Miteinander der Generationen und gleichberechtigte Lebenschancen sind unser Ziel. Das kann nur durch gemeinsame Gestaltung von Jung und Alt gelingen.

Durch die bedeutende Herausforderung des demografischen Wandels befindet sich unsere europäische Gesellschaft im Umbruch. Für die Länder Europas werden  der Rückgang der Bevölkerung und die Zunahme der Alten eine große Herausforderung in der Zukunft  werden.

Einerseits verlängert sich die Lebensdauer der Alten, andererseits sinkt die Geburtenrate.  In dieser Umbruchphase werden nur die Alten zu oft  als Kostenfaktor gesehen und dafür verantwortlich gemacht, dass es eine Haushaltskrise, eine nicht wettbewerbsfähige Wirtschaft oder ein verzögertes Wachstum gibt und die Sozialsysteme  in Zukunft nicht mehr ausreichen werden.

Aber es scheint auch so zu sein, dass unsere heutige Gesellschaft immer stärker in Altersgruppen aufgeteilt ist und es  weniger Kontakt von Ältren zu Jüngeren und umgekehrt gibt. Die Sicherung der Sozialsysteme und die gesellschaftliche Aufteilung nach dem Alter macht die Frage nach Solidarität zwischen den Generationen immer wichtiger.

Zusätzlich hat sich das Altersbild gewandelt. Immer mehr Alte wollen Verantwortung in der Gesellschaft und in der Politik übernehmen. Dem muss jetzt mit aktivem zukunftsfähigem politischem Handeln  aller Mitglieder unserer europäischen Gesellschaften begegnet werden.

 

Interessant ist, einmal in den Blick zu nehmen, wie es zu diesem Wechsel kam.

Deshalb soll zunächst untersucht werden, welche Ursachen es für den Umbruch der europäischen Gesellschaft gibt.

 

2.  Welche Ursachen gibt es für den Umbruch der europäischen Gesellschaft?

 

2.1.  Erfolg der bisherigen Sozial- und Wohlfahrtsstaaten und seine Veränderung

 

„Der bisherige Erfolg der westlichen Sozial- und Wohlfahrtsstaaten beruhte auf dem dynamischen Zusammenhang zwischen einem starken, d. h. entscheidungs- und steuerungsfähigen Staat, einer die Dispositionsfreiheit der Unternehmer sichernden, ihre Produktivität fortwährend steigernden Marktwirtschaft, dem Ausbau eines die Folgeprobleme der Wirtschaftsdynamik auffangenden und die Lebensbedingungen der Gesamtbevölkerung stabilisierenden Sozialsektors und den Leistungen der privaten Haushalte, ins besondere der Familien:“ (Franz Xaver Kaufmann, „Herausforderungen des Sozialstaates“, Suhrkamp Verlag)

 

Die hier aufgezählten sozioökonomischen Zusammenhänge waren die Garantie für eine funktionierende Wirtschaft und Wohlstand für alle. Diese Zusammenhänge sind durch die Globalisierung gestört oder auch aufgelöst worden.

Zu dem oben erwähnten Punkt, die Veränderung in Produktion, Handel und Geldverkehr, in der Wirtschaft allgemein, kommt die  Problematik der hohen Arbeitslosigkeit, sinkenden Löhne  und der Zunahme von Niedriglohnjobs. Zusammen mit dem demografischen Wandel ist die Folge: weniger Einzahlung in die Rentenkassen.

 

2.2.  Die wachsende Zahl der Alten ist nicht der alleinige Verursacher für die Belastung unserer Sozialsysteme

 

Beide Aspekte, demografischer Wandel und die Globalisierung, führen gemeinsam  zur Belastung  unserer Gesellschaft.

Aber es wäre falsch, den demografischen Wandel mit dem Wachsen der Zahl der Alten als alleinigen Verursacher für die Belastung unserer Sozialsysteme zu sehen und den Generationenausgleich an den  Abbau sozialer Leistungen zu knüpfen.

Die Gruppe der nicht mehr erwerbstätigen Alten hat diese Leistungen schon erbracht. Sie hat ihren Nachwuchs groß gezogen, die Renten für die vorhergehende Generation gesichert und sich durch Rentenversicherungs-Beiträge an der eigenen Altersvorsorge beteiligt.

 

Zu den beiden genannten Ursachen, die Globalisierung und die Überalterung,  darf ein dritter Grund nicht vergessen werden. Der Umstand des demografischen Wandels ist nicht alleine den Alten anzulasten, denn die Geburtenrate sinkt seit Jahren, sodass immer weniger Jüngere für immer mehr Alte aufkommen müssen. Tatsache ist jedoch, dass die  demografische Alterung wesentlich vom Geburtenrückgang bestimmt wird.

Es wäre richtiger von einer „Unterjüngung“ als von einer „Überalterung“ zu sprechen.

Hier ist die Frage nach den Gründen interessant, ob sich viele junge Paare in europäischen Ländern aus finanziellen Gründen oder unsicheren Arbeitsplätzen keine Kinder leisten können oder wollen, denn die Verpflichtung für den Nachwuchs aufzukommen, ist in vielen europäischen Ländern immer noch weitgehend Privatsache. Weitere Gründe für Ehepaare auf Kinder zu verzichten sind die berufliche Karriere, teure Hobbys, ein eigenes Heim oder Selbstverwirklichung statt Dienst für andere.

Die Erbringung der Renten über  die lohnabhängige Einzahlung in die Rentenkasse, die es in einigen europäischen Ländern gibt, ist wie oben beschrieben, unter den gewandelten politischen und wirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr ausreichend.

Denkbar für den Generationenausgleich wäre eine gerechtere Verteilung des gemeinsam von der Gesamtbevölkerung erwirtschafteten Bruttosozialprodukts.

Die besondere Belastung der jetzt Erwerbsfähigen, für eine immer größere Zahl an zukünftigen Rentnern aufzukommen, ist enorm.

 

3.  Generationengerechtigkeit heißt, Ansprüche, Leistungen und Vorleistungen aller Generationen gegeneinander abzuwägen

 

Eine generationengerechte Politik steht vor der Aufgabe, die Kosten hierfür möglichst gerecht zwischen allen Generationen und Einkommensgruppen zu verteilen.

Wenn es um eine umfassende Generationengerechtigkeit gehen soll, dürfen nicht nur die Ansprüche der Jungen an die Alten betrachtet werden, sondern es geht

-    um die Generation der noch nicht Erwerbstätigen

-    um die Generation der nicht mehr Erwerbstätigen

-       um die Generation der Erwerbstätigen

Die zuletzt genannte Generation muss die folgenden drei Leistungen vollbringen:

      -    Kosten und Fürsorge für die nachwachsende Generation übernehmen

      -    für die eigene Alterssicherung sorgen

      -    Unterhalt für die nicht mehr Erwerbstätigen aufbringen

Die Probleme, die sich aus der veränderten Bevölkerungsstruktur, der Zunahme von immer mehr Alten und weniger Jungen in der Zukunft ergeben, können nur noch über die Gesamtbevölkerung als Ausgleich gelöst werden. 

Man geht davon aus, dass die stärkste Belastung der Erwerbstätigen 2015 beginnt (geburtenstarke Jahrgänge gehen in Rente) und 2030  wieder abnimmt.

 

Um diese Generation zu entlasten, machen sich zu  dieser Problematik die Grünen in Europa Gedanken und diskutieren unterschiedliche Modelle, z. B die Grundsicherung für alle, um Jung und Alt gleichermaßen vor Armut zu schützen. Interessant wäre auch die Wirksamkeit des schweizerischen und dänischen Modells der Altersversorgung  für die Zukunft zu untersuchen.

 

4.  Ein neuer Generationenvertrag beinhaltet nicht nur ein Grundrecht  auf Grundsicherung für alle Generationen

 

Der Umbruch in unserer Gesellschaft stellt uns nicht nur vor ökonomische, sondern auch vor große soziale und kulturelle Herausforderungen. Immer mehr ältere Menschen fühlen sich fit und wollen und können bis ins hohe Alter ein aktives Leben führen. Für ältere Menschen stellt sich die Frage nach der eigenen Lebensgestaltung und der gesellschaftlichen Rolle für das vierte Lebensalter heute anders als früher. Weniger junge und mehr ältere Menschen müssen deshalb gemeinsam neue Formen des Zusammenlebens finden. Auch um diese Fragen zu beantworten brauchen wir einen neuen Generationenvertrag im Interesse der Jungen und der Alten. Zu dem neuen Generationenvertrag gehört auch ein neuer gesellschaftlicher Umgang mit dem Alter und zwischen Jung und Alt.

 

4.1.  Der neue Generationenvertrag beinhaltet auch

 

  • das Recht auf Partizipation in Gesellschaft und Politik als wichtigste  Form der Generationengerechtigkeit  

 

Wir möchten, dass die Älteren in Zukunft mehr als bisher einen aktiven Teil des gesellschaftlichen und politischen Lebens bilden. Die Generation über 50 hat ein längst noch nicht genutztes großes Potential sowohl für den Arbeitsmarkt als auch für die Entwicklung der Gesellschaft.

Das  Ziel für uns in Europa ist eine moderne Gesellschaftspolitik, deren Grundlage Bürger- und Menschenrechte sind. Das bedeutet auch Förderung der demokratischen Teilhabe aller. Dazu muss die Politik die Voraussetzungen schaffen. Wir wollen eine Politik der Anerkennung und treten gegen Ausgrenzung in jeder Form ein.

Deshalb wollen wir eine stärkere Beteiligung jüngerer und älterer Menschen.

Echte Beteiligung motiviert zum Mitmachen und ist das beste Mittel für Generationengerechtigkeit. Was heute entschieden wird, wirkt sich auf nachfolgende Generationen aus. Wir wollen mehr demokratische Teilhabe ermöglichen.

Da niemand besser als die Jugendlichen selbst über ihre Angelegenheiten Bescheid wissen, wollen wir die Partizipation dieser Experten und Expertinnen vorantreiben. In einigen Kommunen gibt es dazu schon Jugendparlamente. Um die politische Beteiligung von Jugendlichen zu verbessern, setzen wir uns dafür ein, dass das Wahlalter auf 16 Jahre herabgesetzt wird.

Aber gleichzeitig wollen wir eine stärkere Beteiligung älterer Menschen, deshalb fordern wir auch die Umsetzung der Grundsätze der Vereinten Nationen von 1992: „Ältere Menschen sollen  gleichberechtigt am gesellschaft-lichen und politischen Leben teilhaben.“

 

  • das Recht auf Prävention und Gesundheitsförderung statt „medizinischer Reparaturphilosophie“

 

An die erste Stelle der Gesundheitspolitik setzen wir die Prävention und Gesundheitsförderung für Jung und Alt.

Falls es aber zur Krankheit kommt, ist für  jüngere wie auch ältere Menschen ein solides und gutes Gesundheitswesen lebenswichtig. Wir lehnen die Zweiklassengesellschaft ab. Ein gutes Gesundheitswesen garantiert eine qualitativ hochwertige medizinische und gesundheitliche Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von Einkommen, sozialer Stellung, Alter und Wohnort.

Um die zu erwartenden höheren Ausgaben für die Krankenkassen bezahlen zu können, brauchen wir ein gutes System der gerechten Umverteilung der Kosten.

 

  • das Recht auf Bildung für alle Generationen

 

Ohne gerechte Bildungschancen für alle ist in Europa keine  solidarische Modernisierung vorstellbar. Soziale  und ethnische Herkunft und Alter dürfen dabei keine Rolle spielen. Für jeden Menschen ist Bildung die Basis, auf der das Leben selbstständig gestaltet  und Verantwortung für sich, für die Gesellschaft und die Umwelt übernommen werden kann.

Gute Bildung muss bei den Kleinsten beginnen. Junge Menschen ohne Schulabschluss und geringer Bildung haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Hier setzen wir uns für die individuelle Förderung junger Menschen ein. Auf lebenslanges Lernen müssen sich die Jüngeren wie die Älteren einstellen, denn sie werden in unterschiedlichen Jobs und auch länger arbeiten müssen. Deshalb muss ebenfalls älteren Arbeitnehmern lebenslang die Möglichkeit zur Weiterbildung gewährt werden. Wir fordern die Bereitstellung von Möglichkeiten dazu.

Will unsere europäische Gesellschaft eine Zukunft haben, braucht sie neben einer kinder- und jugendfreundlichen Politik auch die von den Alten kommenden kulturellen Impulse. Für die Wirtschaft und die Gesellschaft müssen die Erfahrungen und das Wissen älterer Menschen genutzt werden und dürfen nicht verloren gehen.

Wichtig ist uns deshalb, dass der Austausch von Wissen und Erfahrung, das gemeinsame  Training und Mentoring im Beruf und privat zwischen Jung und Alt gefördert werden.

Für eine innovative und wettbewerbsfähige Bildungslandschaft in Europa ist eine kontinuierliche Aus-, Fort- und Weiterbildung nötig, an der alle teilhaben können. Deshalb brauchen wir ein offenes, vielfältiges Bildungsangebot. Der freie Zugang zu einem modernen, qualitativ hochwertigen Bildungssystem und ein Konzept des lebensbegleitenden  Lernens und Weiterlernens sind die besten Voraussetzungen für Spitzenleistungen.

Voraussichtlich werden  die Älteren wegen des demografischen Wandels in Europa in Zukunft mehr Aufgaben übernehmen müssen, denn eine schrumpfende und alternde Gesellschaft hat einen steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Jungen und gut weitergebildeten Älteren.

Für immer mehr Alte, die nicht mehr im Berufsleben stehen, ist das freiwillige Engagement in der Bildung für Kinder und Jugendliche eine Bereicherung im Alter und die Jüngeren profitieren von dem reichen Erfahrungsschatz  der Alten.

 

  • das Recht auf Arbeit für alle Generationen

 

Ein Grundpfeiler der europäischen Gesellschaft ist die soziale Gerechtigkeit. Unzertrennbar damit verbunden ist das Recht auf Arbeit für alle Bürger.

Die Wirklichkeit sieht heute anders aus: 

Viele Jugendliche bekommen keinen Ausbildungsplatz und keine Arbeit, Studenten bekommen nach ihrem Studium statt der Perspektive auf einen gesicherten Arbeitsplatz einen Praktikumsplatz nach dem anderen angeboten,  während ältere Arbeitnehmer oft zu früh aus ihrem Beruf entlassen werden.

Ältere Menschen sind auf dem Arbeitsmarkt nur schwer zu vermitteln, ebenso Arbeitssuchende ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung. Die Eingliederung und Wiedereingliederung dieser Gruppen ins Berufsleben ist besonders schwer. Wenn Arbeitnehmer mit 50 Jahren entlassen werden, haben Arbeitgeber die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir brauchen in Zukunft die Potenziale der Älteren in der Arbeitswelt. Da die Menschen in Zukunft länger arbeiten müssen, brauchen wir eine bessere und flexiblere Arbeitslage für ältere Arbeitnehmer.

Für sie müssen weiterhin sinnvolle und auch neue Förderungsprojekte bereitgestellt und entwickelt werden.

Das  Ziel ist, allen Arbeitssuchenden eine existenzsichernde Erwerbsarbeit zu ermöglichen. Dazu müssen neue Beschäftigungsfelder erschlossen werden.

Ein Umdenken bei der Arbeitsverteilung für alle Generationen ist gefragt. Bessere Chancen  bei der Ausbildung für junge Leute  spielen dabei ebenso eine Rolle wie mehr Teilhabe Älterer  am Arbeitsmarkt. 

 

 

 

  • das Recht auf Gleichberechtigung von Frau und Mann

 

Wir setzen uns dafür ein, dass die direkten und indirekten Diskriminierungen  von Frauen jeden Alters verhindert werden.

Frauen sind in Europa so gut ausgebildet wie noch keine andere Generation zuvor.

Ihre Bildungsabschlüsse sind häufig besser als die der Männer, dennoch mangelt es an Frauen in Führungspositionen. Dagegen sind Frauen im Niedriglohnbereich mit schlechter Entlohnung  und  geringem Arbeitszeit-volumen  öfter vertreten als Männer.  Die Lohnkluft zwischen Mann und Frau ist in einigen europäischen Ländern ebenfalls ein großes  Problem. Gleichwertige Arbeit wird hier ungleich bezahlt.

Der Mann gilt als Ernährer, die Frau als Zuverdienerin und verantwortlich für Haushalt, Kinder und Pflege.  Kommt es zum Verlust des Ernährers stehen diese Frauen oft vor dem Nichts.

Ebenso verhält es sich mit der Rente von Frauen. Frauen erreichen selten die erforderliche Anzahl der Beitragsjahre, die für eine ausreichende Rente im Rentensystem, das von der Erwerbsarbeit in  einigen europäischen Ländern abhängig ist, vorgesehen sind. Viel häufiger als Männer leben sie im Alter wegen ihrer geringen Altersversorgung in Armut.

Für junge und ältere Frauen gilt gleichermaßen ein Recht auf Gleich-behandlung. Sie haben ein Recht auf  gleiche Chancen in der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmark, was bedeutet, dass die Infrastruktur für eine Berufstätigkeit der Frauen verbessert werden muss, um Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können. Es ist volkswirtschaftlich unsinnig, Frauen hoch zu qualifizieren, um ihnen dann all zu häufig nur die Möglichkeit  zu bieten, unter ihrem Ausbildungsniveau zu arbeiten. Ebenso wichtig ist, dass Männer einen größeren Anteil als bisher im Haushalt und für die Familie übernehmen müssen und neue Formen für die ausreichende Altersabsicherung  gefunden werden müssen.

 

        das Recht auf Schutz der Umwelt für uns und unsere Nachkommen

 

Wir fordern in Europa und für die gesamte Welt eine nachhaltige und ökologische Politik für den Schutz der Umwelt mit sauberem Wasser, reiner Luft und nicht verunreinigten Böden, gegen Lärm, Zersiedlung und Versiegelung der Landschaft und den Abbau und die Verringerung des CO2-Ausstoßes, damit wir allen Weltbürgern eine lebenswerte Welt hinterlassen und nicht  die Last der Umweltzerstörung auf die Jüngeren abwälzen.

Hier ist die Zusammenarbeit von Jung und Alt unerlässlich, um  eine weitere Klimaerwärmung und deren verheerende Folgen mit Stürmen, Überschwemmungen und Dürren  zu verhindern.

 

●        das Recht auf solidarisches Zusammenleben

 

Wir wollen das Recht auf solidarisches Zusammenleben der verschiedenen Generationen stärken. Hierfür gilt es auch, die nötige Infrastruktur für Jung und Alt in den Stadtteilen zu schaffen. Für einen Großteil der Menschen ist der Wunsch im gewohnten Wohnquartier  in Hausgemeinschaften zu wohnen oder das Mehrgenerationenwohnen auch im Alter vorrangig, gegenseitige  Hilfsdienste inbegriffen. 

Wir wollen die Bildung von sozialen Netzwerken, Nachbarschaftshilfen und bürgerschaftlichem Engagement stärken, bei dem Jung und Alt für einander eintreten und beidseitig profitieren können. Vorbildhaft sind hier Mehrgenerationenhäuser (nicht zu verwechseln mit Wohnhäusern), in denen sich Menschen verschiedenen Lebensalters ungezwungen begegnen können und gegenseitig von den jeweiligen Kompetenzen der anderen profitieren. Mehrgenerationshäuser sind offene Orte, an denen gegenseitiger Austausch von Jung and Alt und Unterstützung von Familien neu gelebt wird.

Sie vernetzen Nachbarschaftshilfe und soziale  Dienstleistungen in der Region und werden  so zu einer lokalen Drehscheibe – auch für haushaltsnahe Dienstleistungen. Dort treffen sich Angebot und Nachfrage.             Um das Mehr-generationenhaus herum beteiligen sich Schulen, Vereine, Bibliotheken Feuerwehren und andere kommunale Einrichtungen. Freiwillige und Professionelle arbeiten dort gemeinsam.

Das Ehrenamt ist auch hier ein wichtiger Bereich, in dem Jung und Alt miteinander wieder in Kontakt kommen können. Jede der Gruppen kann der anderen ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu deren Nutzen zur Verfügung stellen. Zu beobachten ist, dass sich Jugendliche für die Gesellschaft engagieren wollen, jedoch weniger politisch als ehrenamtlich.

 

5.  Das Verhältnis von Jung und Alt ist  noch gut – so soll es auch bleiben

 

Die Befürchtung, dass ein  „Krieg der Generationen“ entbrennen könnte, hat sich nicht bewahrheitet. Das Verhältnis zwischen den Generationen ist gut. Die meisten Menschen können noch auf das private Netz zwischen Eltern und Kindern vertrauen. Es gibt Studien, die besagen, dass die meisten der Kinder und Jugendlichen das Verhältnis zu ihren Eltern als gut bezeichnen. Umgekehrt empfinden genauso viele Ältere die Beziehung zu ihren Kindern als eng. Die meisten  Menschen fühlen sich für das Wohl der alternden Menschen verantwortlich und wollen sie bei Pflegebedürftigkeit begleiten.

 

6. Zum Schluss möchten wir diese weniger bekannte Untersuchung nicht vorenthalten:

 

Es gibt eine Untersuchung des Institute of Aging  der Oxford University von 2007 mit dem Namen: “The Future of Retirement“.

Diese Studie konzentriert sich darauf, welche Wirkung die älteren Menschen auf die Gesellschaft hat. Dieser Bericht steht ganz im Gegensatz zu der Meinung, dass die älteren Menschen zu finanziellen Krisen, zu Abhängigkeits-verhältnissen, zur Belastungen unseres Gesundheitswesens und zum Zusammenbruch familiärer Verbindungen führen.

 

Das Institut hat in 21 Ländern auf allen Kontinenten, 21 000 Menschen im Alter zwischen 49 und 70 Jahren befragt und kommt in seinem Bericht zu folgendem Ergebnis:

Leute im Alter von 60 und 70 Jahren sind ein enormer Vorteil und Gewinn für die Gesellschaft und keine Belastung.

Die einzelnen Familien sind heute kleiner, aber 4 und 5 Generationen sind keine Seltenheit. Die meisten Befragten glauben, dass der Zusammenhalt in den Familien groß ist und die Familie verantwortlich für das Wohlergehen ihrer Mitglieder sein soll.

Die meisten heutigen 60- und 70-Jährigen fühlen sich fit und gesund, unabhängig  und  leben selbstständig.

Sie sind in der Lage, Dinge zu tun, die sie auch als 40 und 50-Jährige taten.

Der Ruhestand wird nicht länger als eine Periode betrachtet, in der es mit den Menschen bergab geht oder sie in Abhängigkeit geraten. Immer mehr wird sie als  Phase des Lebens gesehen, die genossen wird.

 

Ältere Leute (hier die über 60-Jährigen) leisten weltweit einen enormen Beitrag für die Gesellschaft, in der Wirtschaft und auf sozialem Gebiet, in freiwilligem Engagement und für die Karrieren ihrer Familien. Sie leisten mehr, als sie zurückbekommen.

-          Ältere Menschen leisten einen Beitrag von Milliarden von Dollars für die weltweite Wirtschaft durch freiwillige Arbeit, aber auch durch bezahlte Arbeit und das Zahlen von Steuern.

Durch freiwilliges Engagement wird ein enormer Beitrag für Kommunen geleistet. Positiv zu erwähnen ist, dass durch   soziales Engagement ein Zusammen- halt zwischen Jung und Alt geschaffen werden und manche Alten aus der Isolation holt. 

-          Ältere Menschen leisten große Unterstützung für die Familie und Freunde. Sie  stellen einen großen Anteil an Pflege durch  Hilfe beim Anziehen, durch Baden oder bei Krankheit bei Partnern,  Kindern und Freunden. Sie unterstützen  Freunde und Familie durch praktische Hilfe im Haushalt wie putzen, einkaufen, kochen und andere tägliche Verrichtungen und leisten zusätzlich einen beträchtlichen finanziellen Beitrag für jüngere Menschen, in der Familie ihrer Kinder und in deren Haushalten durch Geschenke oder Kredite.

Den Schluss-Satz in dem Bericht möchte ich nicht vorenthalten:

 

„Diejenigen mit Einfluss in unseren Regierungen, in den Kommunen und an den Arbeitsplätzen müssen Maßnahmen garantieren und einsetzen, um älteren Menschen zu ermöglichen, so lange sie wollen aktiv zu bleiben,“ ( um mit den Jungen gemeinsam die Zukunft gestalten zu können.)  

           

Ute Schmitz – ENGS (Network of Green Seniors)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In guten wie in schlechten Tagen – Der neue Generationenvertrag

Ein neuer Generationenvertrag statt der Devise

„Sorgt doch für Euch selbst“

 

1.  Ausgangspunkt: – Artikel 11 des ENGS-Manifesto „ Ein neuer Generationenvertrag“

 

2.  Welche Ursachen gibt es für den Umbruch  der europäischen Gesellschaft ?

 

2.1.  Erfolg der bisherigen  Sozial- und Wohlfahrtsstaaten und seine Veränderung

 

2.2.   Die wachsende Zahl der Alten ist nicht der alleinige Verursacher für die

Belastung der Sozialsysteme

 

-  Globalisierung zerstört funktionierende Wirtschaft und Wohlstand

-  Sinkende Geburtenrate

-  Wachsende Zahl der alten Menschen

 

3.  Sicherung der Sozialsysteme wie Renten, Gesundheitswesen und Pflege durch

Generationsvertrag

 

4.  Generationsgerechtigkeit heißt Ansprüche, Leistungen und Vorleistungen aller

Generationen gegeneinander abwägen

 

4.1  Was kann ein neuer Generationenvertrag leisten?

4.2  Sozialorientierte Standpunkte

 

5.  Ein neuer Generationenvertrag beinhaltet nicht nur ein Grundrecht auf

Grundsicherung für alle Generationen

 

5.1.  Der Generationenvertrag beinhaltet  auch:

 

-         das Recht auf Partizipation in Gesellschaft und Politik: als wichtige

Form des  Generationenvertrags

 

-         das Recht auf Prävention und Gesundheitsförderung statt

„medizinischer Reparaturphilosophie“

 

-         das Recht auf Bildung für alle Generationen

 

-         das Recht auf Arbeit für alle Generationen

 

-         das Recht auf Gleichberechtigung von Frau und Mann

 

-         das Recht auf Schutz der Umwelt für uns und unsere Nachkommen

 

-         das Recht auf solidarisches Zusammenleben

 

7.  Das Verhältnis von Jung und Alt gut – so soll  es auch  bleiben !